Impulskontrollstörungen bei Parkinsonpatienten

 Wenn Medikamente eine Sucht verursachen

Etwa 14% der Parkinsonpatienten entwickeln in Folge der Medikamenteneinnahme Impulskontrollstörungen wie z.B. Glücksspielsucht, exzessives sexuelles Verlangen, Kaufsucht oder auch Esssucht. Besonders gefährdet sind Parkinsonerkrankte unter 65 Jahre. Wie bei einer Sucht entwickeln die Patienten einen starken Drang nach beispielsweise Kaufen oder Essen, den sie kaum oder gar nicht mehr kontrollieren können. Die Konsequenzen sind vielfältig, Glücksspiel- und Kaufsucht haben meist finanzielle Probleme als Folge, bei einem verstärkten sexuellen Interesse kann Fremdgehen die Beziehung gefährden und Esssucht führt langfristig zu Übergewicht. Für die Patienten sind diese Verhaltensveränderungen unerklärlich und beschämend und auch für die Angehörigen sind sie häufig schwer zu akzeptieren.

Eine weitere Nebenwirkung der Parkinsonmedikation kann das sogenannte Punding sein – hier beschäftigen sich Patienten übermäßig mit Ordnen und Sortieren von beispielsweise Unterlagen oder Fotos. Das kann so weit gehen, dass wichtige Termine oder alltägliche Erledigungen vergessen und soziale Kontakte vernachlässigt werden. Ähnlich ist es beim Hobbyismus: hier nimmt das Hobby so viel Zeit ein, dass das restliche Leben und der Alltag (z.B. Beruf/Arbeit) aus den Fugen geraten. Diese Phänomene treten manchmal in Zusammenhang mit einer Dopamin-Medikamentensucht auf. Hier werden zu viele von den Parkinsonmedikamenten eingenommen, man fühlt sich gut und „high“, wenn die Wirkung eintritt, aber dann auch wieder sehr traurig und schlecht, wenn sie nachlässt. Außerdem geht diese Sucht oft mit starken Überbewegungen einher, welche die Patienten selbst nicht immer bemerken.

Haben Sie Parkinson und haben Sie derartige Verhaltensveränderungen an sich bemerkt bzw. haben Freunde oder Verwandte Sie darauf angesprochen? Scheuen Sie sich nicht, ihrem Arzt/Neurologen davon zu erzählen! Häufig lassen sich die Probleme mit einer Medikamentenumstellung in den Griff bekommen!

Wenn Sie sich erst einmal selbst testen möchten, besteht auch die Möglichkeit, im Internet (www.parkinsonspezialisten.de) anonym einen Fragebogen auszufüllen. Hier bekommen Sie eine direkte Rückmeldung, ob Ihre Antworten eine auffällige Veränderung vermuten lassen oder nicht.

Kontakt:              Prof. Dr. Thilo van Eimeren, Dipl.Psych. Catharina Probst

Klinik für Neurologie, UKSH Kiel, Arnold-Heller-Str. 3, 24105 Kiel

Email: t.eimeren@neurologie.uni-kiel.de; c.probst@neurologie.uni-kiel.de;

Telefon: 0431-597-5504

 

Wir, ein Team von Ärzten und Forschern an der Klinik für Neurologie in Kiel, beschäftigen uns explizit mit diesen Verhaltensveränderungen. Das Ziel ist es herauszufinden, warum manche Patienten Impulskontrollstörungen entwickeln und wie man dem vorbeugen kann. Damit das möglich ist,  benötigen wir für unsere Studien Patienten mit und ohne diese Verhaltensweisen. Wir freuen uns, wenn Sie sich bei uns melden und mit Ihrer Hilfe zukünftigen Generationen das Leben erleichtern. Außerdem sind wir natürlich für Sie da, wenn Sie explizite Fragen haben oder